Im Primiero gibt es eine versteckte Welt zu entdecken

In den Bergknappen-Stollen und Tunneln des 1. Weltkriegs

Glȕck auf! 

Diesen typischen Gruß tauschten die Bergknappen aus, die im Mittelalter in den Bergen des Primiero nach Mineralien gruben, insbesondere nach Silber. Und in der Tat war man auf viel Glück angewiesen. Schon allein, um unbeschadet aus den langen, engen Stollen herauszukommen. Da war man vor allem auf seine Erfahrung angewiesen, aber wenn die nicht ausreichte, rief man mit Gebeten die Heilige Barbara und die Muttergottes an. 

Heute ist Fiera di Primiero ein Dorf, das vor allem für seine herrliche landschaftliche Kulisse berühmt ist: es wird überragt vom imposanten Massiv der Pale di San Martino, einem Weltkulturerbe. Doch im 13. Jahrhundert lag der hiesige Reichtum nicht auf den Gipfeln der Berge, sondern in ihren Eingeweiden. 

In diesem Sommer erzählen wir die „unterirdische“ Geschichte dieses Gebiets des Trentino nach. Sie spielt in den Stollen und Schächten, die die Bergleute auf der Suche nach Silber gruben, und den Tunneln, in denen die Soldaten im 1. Weltkrieg im Inneren der Berge Schutz vor Kälte und feindlichem Beschuss suchten. 

In den Bergen von Primiero: von den Kanopenminen bis zu den Stolen des Ersten Weltkriegs

Wer waren die Bergknappen?

So nannten sich die meist aus Böhmen und Tirol stammenden Bergleute, die aber hierzulande auch als canopi bezeichnet wurden, was für die italienischsprechende Bevölkerung leichter auszusprechen war. Sie waren an ihrem Leinenkittel mit einer spitzen Kapuze zu erkennen, die dazu diente, den Abstand zur Stollendecke zu wahren, um sich daran nicht den Kopf zu stoßen. Da man sich im Schacht oft sitzend und rutschend fortbewegte, trugen sie außerdem als Schutz für Hosenboden und Beine eine rückwärts umgebundene Lederschürze, das Arschleder. 

Sie wurden gut bezahlt, aber die Arbeit war äußerst hart, und die Lebenserwartung gering. Auf engstem Raum machten sie sich, nur mit Schlägel und Eisen ausgerüstet, zu schaffen, um das Gestein des Bergs Zentimeter um Zentimeter abzutragen. Jeweils zu Dritt fuhren sie zu einer Acht-Stunden-Schicht ein, während der sie, umgeben von Dunkelheit und Feuchtigkeit, die vom abgeschlagenen, metallhaltigen Gestein schwere Luft atmeten. 

In den Bergen von Primiero: von den Kanopenminen bis zu den Stolen des Ersten Weltkriegs

Der Palazzo delle Miniere

Unsere kleine Tour auf den Spuren der Bergknappen oder canopi beginnt an diesem festungsähnlichen Gebäude, das in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als Verwaltungssitz und Schatzkammer für das geförderte Silber errichtet wurde.  

Heute finden hier Wechselausstellungen statt, und eine Dauerausstellung veranschaulicht die Geschichte des Primiero-Gebiets. Die Bereiche im Freien sind im Sommer Schauplatz des drei Tage dauernden Fests Bergknappen Primör. Bei dieser historischen Nachstellung haben Besuchende die Möglichkeit, die Rekonstruktion eines mittelalterlichen Bergbaudorfes zu besichtigen, direkt am Bergbau teilzunehmen, durch einen rekonstruierten Bergwerksschacht zu gehen und bei der abendlichen Veranstaltung in die Atmosphäre der damaligen Zeit einzutauchen. 

Die Ernennung im Jahr 2025 ist im August.

In den Bergen von Primiero: von den Kanopenminen bis zu den Stolen des Ersten Weltkriegs

Bergknappen Primör 2025

LINK zur VERANSTALTUNG

Auf den Spuren der canopi

Die vom Bergbau geprägte Vergangenheit lässt sich nicht nur im Palazzo und seinen Bereichen erleben, sondern auch in den Dorfgassen, auf einem etwa einstündigen Spaziergang durchs Tal. Die Strecke ist in acht Etappen unterteilt, von denen jede einen Aspekt der Bergleute im Primiero erzählt: die Audioguides sind über einen QR-Code zugänglich und damit auf dem Smartphone abspielbar. 

Der Rundgang beginnt am Palazzo della Miniere und führt zum Dorf Transacqua, in der Nähe des Stollens Friole der alten Eisenspat-Mine. 

Eine weitere themenverwandte Wanderung kann man auf der Via della frutta antica unternehmen, dem Weg der alten Obstbäume. Auf der für jedermann geeigneten Strecke entlang der Via Nova, die Pieve (Primiero San Martino di Castrozza) mit dem Gobbera-Pass verbindet, wachsen noch typische alte Obstbäume. Auf diesem Weg gingen früher die canopi zur Arbeit in den Minen. 

In den Bergen von Primiero: von den Kanopenminen bis zu den Stolen des Ersten Weltkriegs

AUF DEN SPUREN DER CANOPI

ENTDECKEN

In den Stollen des 1. Weltkrieges

Vor langer Zeit hatten die canopi die Berge auf der Suche nach wertvollem Metall ausgehöhlt, und Jahrhunderte später gab es erneut einen Anlass, Höhlen in den Fels zu hauen. Diesmal jedoch suchten sie Schutz vor der Kälte und den Feinden: das war im Zeitraum zwischen 1915 und 1918, als Italien und Österreich-Ungarn sich im 1. Weltkrieg bekämpften. 

Die Berge des Trentino sind ein etwas besonderer Kriegsschauplatz, wo der Hauptfeind keine Uniform trägt und niemanden ausspart. Noch bevor man ans Schießen denkt, muss man in den Bergen gegen den eisigen Wind und den Schnee ankämpfen. So bauen die Soldaten Schutz-Stollen, die hier in Anlehnung an das deutsche Original stoli genannt wurden. 

Infolge von sorgfältigen Restaurierungs- und Sicherungsarbeiten sind einige dieser stoli ab Sommer 2025 zu besichtigen, und zwar in Form von Führungen durch die Überreste der Schützengräben und Saumpfade aus dem 1. Weltkrieg. 

In den Bergen von Primiero: von den Kanopenminen bis zu den Stolen des Ersten Weltkriegs
Veröffentlicht am 13/03/2025